
Liebe Leserinnen und Leser,
Zum wiederholten Mal greift unsere – mit
ökumenisch besetztem Herausgeberkreis bestückte – Zeitschrift das Thema
„Ökumene“ auf – vor kirchenmusikalischem Horizont. An dieser Stelle soll
einleitend der gesamttheologische Horizont aufscheinen.
Bewegend ist die Entwicklung in der
katholischen Theologie. Otto Hermann Pesch, dessen Katholische Dogmatik aus
ökumenischer Erfahrung gerade erschienen ist, hat sich in der katholischen
Wochenzeitung Christ in der Gegenwart (Nr. 19/2010) im Hinblick auf den
Ökumenischen Kirchentag dahingehend geäußert, dass heute keine zwingenden
theologischen Gründe gegen eine gegenseitige Zulassung zur Eucharistie zu sehen
sind, zum Abendmahl, gegen die Zulassung von Frauen zum kirchlichen Amt oder
für die Anerkennung des päpstlichen Primats … als Bedingung für eine neue
Einheit der Kirche.
Nun könnten die Evangelischen sagen: „Na,
endlich haben sie von uns gelernt.“ Aber so einfach ist es nicht. Anders als
zum Beispiel dem angloamerikanischen Protestantismus (Gordon Lathrop), fehlt dem
deutschen eine vom Gottesdienst ausgehende Ekklesiologie. Wir fragen wenig nach
der im Gottesdienst immer wieder neu zusammengerufenen „einen heiligen Kirche“,
sondern machen „gottesdienstliche Angebote für die Zeitgenossen“, „intensiv und
unverbindlich“, und diejenigen, die vehement das gemeinsame Abendmahl
einfordern, sind oft wie selbstverständlich bereit, die gemeinsam erarbeiteten
ökumenischen Texte zu verändern und in evangelischer Freiheit der eigenen
Gestaltungskraft zu vertrauen. Wer aber das schon Gemeinsame nicht einübt, wird
nicht zu größerer Gemeinsamkeit finden.
Und schließlich: Das Gotteslob als
theologia prima ist als ökumenisches Grunddatum in beiden Kirchen erst noch zu
entdecken – ebenso wie die Mahnung, die Augustinus den Singenden auf den Weg
gibt: Sei, was du singst.
Und doch: Wir sind auf dem Weg, es gibt
kein Zurück.
Zwei persönliche Erfahrungen mögen zeigen,
woher wir kommen und wohin wir geführt werden: „Don’t cross the street“, sagten
meine Studienkollegen, als wir in einem bestimmten Viertel im nordirischen
Belfast unterwegs waren, „the other side is catholic, there might be stones
thrown by children“. 50 Jahre später: „Mit Ihnen könnte ich gut evangelisch
sein,“ sagte ein Ordensmann zu mir, und ich entgegnete: „Mit Ihnen könnte ich
auch gut katholisch sein.“
Ihre
Christa Reich
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